Museum

Die Willkommensklasse der Ludwig-Cauer-Grundschule zu Besuch in der Villa Oppenheim

Bericht von Frau Posth

Schon früh im Schuljahr machte sich die Willkommensklasse auf den Weg ins nahegelegene Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf. Museumspädagogin Frau Dr. Crüsemann hat eine spezielle Führung für Willkommensklassen vorbereitet, bei der die Kinder noch nicht allzu viel Deutsch verstehen müssen. Vielmehr sprechen die Ausstellungsstücke für sich und zusätzlich erleichtern Bildkarten aus der Sprachförderbox „Einfach Alles“ das Verständnis.
Auf dem Weg fragen die Kinder noch: „Museum, was ist das?“ Aber sobald sie die Räume der Villa betreten, sind sie sofort fasziniert von der besonderen Atmosphäre und den unterschiedlichsten Dingen, die es im Museum zu entdecken gibt. Als Erstes natürlich die Fotografien der früheren Bewohner der Villa, die Familie mit Mendelssohn mit ihren sechs Kindern aus dem Jahr 1832. Wie anders die Kinder damals aussahen, mit langen Kleidern und Stiefeln.
Dann erklärt Frau Crüsemann das älteste Objekt der Sammlung, die Glocke der Lützower Dorfkirche aus dem Jahr 1646. Vorsichtig dürfen die Kinder sie zum Klingen bringen.
Als Nächstes gibt es eine ganz besondere Überraschung: in der Ausstellung befindet sich ein Stück aus Syrien! Da mehrere Schüler aus Syrien stammen, machen sie sich sofort auf die Suche: welches Objekt mag es sein? Und tatsächlich, die Kinder finden es sofort: ein steinerner Assyrerkopf, der am Siedlungshügel Tell Halaf in Nordsyrien, nahe dem Fluss Chabur, gefunden wurde. Ausgegraben wurde er dort in der Zeit von 1911-1913 und dann nach Berlin gebracht. Wahrscheinlich stammt er aus dem 8. Jahrhundert vor Christus!

 

Im Museum entdecken die Kinder nicht nur interessante Schätze, sondern lernen auch gleich Jahreszahlen, Zeitrechnung und einige Grundrechenarten. Wie alt ist der Assyrerkopf, wenn er 800 Jahre vor Christus gefunden wurde?
Wie viele Jahre sind es von 1689, dem Geburtsjahr der Königin Sophie Charlotte, bis heute?
Fulla aus Syrien fragte gleich am Anfang: „Wo sind diese Kinder jetzt? Leben sie noch?“ Also rechnen wir aus, wie alt die Kinder der Familie Mendelssohn heute wären. Das Wort „Achtzehnhundertzweiunddreißig“ muss man auch erst einmal schreiben lernen!
So beginnen wir ganz allmählich mit dem Sprach- und Mathematikunterricht in der Willkommensklasse. Bis die Schüler dem regulären Stoff der 4.-6. Klassen folgen können, wird es allerdings noch ein weiter Weg.
Aber zunächst weiter im Museum: „Was ist denn das?“ will Catalin wissen. Ein riesiges, ziemlich unförmiges rotes Stück Stoff liegt in einer Vitrine.
Frau Dr. Crüsemann erklärt das seltsame Exponat: es handelt sich um eine Leihbadehose aus dem Seebad Wilmersdorf im Jahr 1913! Tatsächlich: wer dort schwimmen wollte, (das Bad gibt es heute nicht mehr), konnte sich diese Hose stundenweise anmieten. Später entdecken die Kinder diese seltsamen roten Hosen auf einem Gemälde wieder. „Badende Knaben an der Havel“ von Phillipp Frank, entstanden 1911.

Überhaupt ist die Gemäldeabteilung im 1. Stock noch einmal sehr spannend für die Kinder, obwohl unsere Museumsstunde schon fast vorbei ist. Es gibt dort nämlich viele alte Stadtansichten, die die Kinder schon zuordnen können.
Maria aus Syrien stellt sich spontan vor ein Gemälde der Otto-Suhr- Allee, in der sie heute wohnt, und auch andere Kinder möchten mit Berliner Motiven fotografiert werden. '
Am Schluss sehen wir noch einen spannenden Film über die Entwicklung Charlottenburgs von einem kleinen Dorf außerhalb Berlins zu dem Stadtteil, der er heute ist. Besonders die Bilder der Kriegszerstörungen, die fast genauso aussehen wie Aufnahmen aus Syrien heute, interessieren die Schüler. Hat es wirklich in Berlin einmal so ausgesehen, zerbombte Häuser, Schuttberge überall und Straßenszenen, die Aleppo heute gleichen?
Als wir nach dem Film wissen wollen, ob es weitere Fragen gibt, entwickelt sich ein längeres Gespräch und dann steht Solin spontan auf und sagt: „Vielen Dank für alles, das war sehr schön, was wir gelernt haben!“ Auch Fulla bedankt sich und sagt: „Ich habe viel, viel gedacht, lange, und heute ich habe verstanden.“ Da wissen wir, dass sich der Besuch gelohnt hat und freuen uns schon auf das nächste Mal in der Villa Oppenheim!
Besonderen Dank auch an Frau Dr. Crüsemann, die wir sicher wieder besuchen werden.