Vom ‚Bullenkloster‘ zum Studentenwohnheim

Nachhaltiges Wohnen in Charlottenburg

Am Beispiel des ersten Charlottenburger Ledigenheims erkundeten die jungen Teilnehmerinnen in einem Sommerferien-Projekt die wechselvolle Geschichte von Gebäuden und befassten sich zugleich mit Wohnsituationen um 1900 und heute. Dabei wurde ein Bewusstsein für Fragen der Denkmalpflege geweckt und durch die „Wohnungsfrage“ Bezüge zur eigenen Lebenswelt ermöglicht.

  • Dreitägiges Sommerferien-Projekt mit – coronabedingt - 7Teilnehmerinnen zwischen 7 und 10 Jahren zum Tag des offenen Denkmals 2020, Leitthema ‚Nachhaltigkeit‘.
  • Gefördert von werkstatt denkmal von Denk mal an Berlin e.V.
  • Konzipiert und geleitet von Jessica Waldera (Architekturhistorikerin und Kulturvermittlerin, kleine baumeister) und Dr. Nicola Crüsemann (Museumspädagogin)

„Vorher habe ich noch nie über ein Studentenwohnheim nachgedacht und ich wusste gar nicht, dass es das in meiner Wohnnähe gibt. Für unseren Zeitstrahl und die Darstellung der Entwicklung des Hauses habe ich die Fotos gemacht. Das Projekt war toll, weil es so viele kreative Ideen gab.“ Ava Buttenberg (10)

Das dreitägige Sommerferien-Projekt startete mit einer kreativen Umsetzung relevanter Begrifflichkeiten wie Denkmal, Ledige, Schlafgänger und Bullenkloster in Mindmaps.

Die anschließende Besichtigung des ehemaligen „Ledigenheims“ in der Danckelmannstraße veranschaulichte das Erlernte: Mit seinen 6 qm kleinen Einzelzimmern galt das 1908 eröffnete Gebäude als Pilotprojekt der Stadt Charlottenburg, die sich mit Wohnungsfragen auseinandersetzte. Bis zu 370 alleinstehende Männer konnten dort wohnen und waren so nicht mehr als „Schlafgänger“ auf ein stundenweise gemietetes Bett in den engen Arbeiterwohnungen angewiesen. Der Begriff Bullenkloster tauchte auf, da Frauen keinen Zutritt hatten.

Seit 1979 sind insgesamt 156 Studierende aus aller Welt in dem Gebäude zu Hause.

Zurück im Museum wurde es praktisch: Auf einem Zeitstrahl hielten die Mädchen das zum Ledigenheim und zum heutigen Studentenwohnheim Erlernte mit eigenen Texten und Fotos, sowie historischem Bildmaterial fest. Zudem ließen die jungen Denkmalschützerinnen die Größe eines 6 qm großen Zimmers durch die Umsetzung in ein 1:1-Modelle erfahrbar werden, in dem sie selbst zu Möbeln wurden. Abschließend gestalteten sie kleine Modelle ihrer eigenen 1-Zimmerwohnungen der Zukunft.

Am Tag des offenen Denkmals 2020 präsentierten die Teilnehmerinnen ihre Projektergebnisse in einer kleinen Ausstellung n der Villa O., die nicht nur von ihren Familien, sondern auch von einem größeren Besucher*innenkreis besichtigt wurde.