Die Wilmersdorfer

Geschichte der Straße 


25. November 2012 bis 30. Juni 2013

Als eine der ältesten Straßen Charlottenburgs - im Norden mit einer Bausubstanz versehen, die bis in das frühe 18. Jahrhundert reicht, im Süden Richtung Kurfürstendamm mit noblen Mietshäusern bebaut - gibt sie Zeugnis von der Entwicklung der Stadt von den Anfängen an. Mit rund drei Dutzend denkmalgeschützter Bauten, aber auch mit einer teilweise sehr qualitätvollen modernen Architektur ausgestattet, hat sie - davon zeugen die Bilder dieser Ausstellung - architektonisch/ architekturgeschichtlich Interessantes zu bieten, das beim Schlendern durch die Straße oder beim Shoppen leicht übersehen wird.

Historische Postkarte - 1897; Gräfin Lichtenau
Volksbibliothek, erbaut 1901; Wilmersdorfer Straße, 1928
Ecke Kantstraße, Foto: Paulusch, 2012;
Wilmersdorfer Str. 12-16, Foto: Ludwig, 2012

Der Blick in Bibliotheken und Archive hat kaum oder gar nicht Bekanntes zutage gefördert. Die Wilmersdorfer Straße war nicht nur Schauplatz dramatischen Geschehens während des Siebenjährigen Krieges und Napoleons Feldzügen. Auch die revolutionären Unruhen der Weimarer Republik fanden dort ihren Niederschlag. Im "Dritten Reich" prägten Zwangsarbeit, Judenverfolgung und Widerstand das Leben in der Straße. Selbst das Ministerium der Staatssicherheit hatte die Wilmersdorfer Straße im Visier.

Einige der fortschrittlichen kulturellen Einrichtungen, die bewusst im Zentrum des alten Charlottenburg platziert worden waren, sind nicht mehr erhalten. Darunter die 1901 eröffnete, vorbildlich ausgestattete, professionell betriebene Städtische Volksbibliothek, die erste ihrer Art im Deutschen Reich. Dass die sich formierende katholische und die jüdische Gemeinde 1845 bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts in der Wilmersdorfer Straße Räume für Gottesdienste angemietet hatten, gehört ebenfalls zu den kaum bekannten Informationen, die in dieser Ausstellung vermittelt werden.

Dank der Sichtung schließlich von Literatur, von Akten aus dem Archiv des Bauaufsichtsamts und historischen Berliner Adressbüchern können einstige Bewohner - einfache Charlottenburger oder namenhafte Persönlichkeiten - vorgestellt werden, die sich in der Wilmersdorfer Straße aufgehalten oder dort gewohnt haben. Darunter nicht nur die Gräfinnen Lichtenau und Wedel-Bérard, Deutschlands erster professioneller Scharfrichter Krautz, der Schriftsteller Robert Walser sowie der Dirigent und Komponist Leo Blech. Selbst Albert Einstein und Franz Kafka waren hier. Die Straße überrascht.

Das inzwischen leider vergriffene Buch zur Ausstellung finden Sie hier.